Ohne Moos nix los

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Ich muss gestehen, früher habe ich Moos nicht wirklich viel Beachtung geschenkt. Ab und an bin ich Barfuß über Moos gelaufen weil es so weich ist, aber das war schon das höchste der Gefühle. Bis ich von Isländisch Moos gehört habe, wusste ich gar nicht dass Moos überhaupt für etwas gut ist und heute sitze ich hier und schreibe einen Lobgesang an das Kraut – wer hätte gedacht?!

Was ist eigentlich Moos?

Moos hat sich in seiner Beschaffenheit und Funktion über die Jahrmillionen im Vergleich zu anderen Pflanzen nicht viel verändert – das sind sozusagen die Krokodile unter den Pflanzen. Man unterscheider zwischen sage und schreibe 14.000 bis 16.000 Arten. Den Groteil machen die Laubmoose aus (neben den Lebermoosen).

Die Hälfte aller Moosarten finden man in den Tropen (Süd- und Mittelamerika) und in Europa wachsen ca. 1.700 verschiedene Moosarten.

Moose sind kleine Pflanzen von weicher Konsistenz und haben keine Blüten. Sie haben kein inneres Wasserleitungssystem (ein paar Ausnahmen gibt es) und keine Wurzeln. Deshalb müssen sie Wasser aus der Luft, dem Regen oder Schnee aufzunehmen.

Moose bilden die zweitgrößte Gruppe der grünen Landpflanzen auf unserer Erde (nach den Blütenpflanzen. Sie sind dadurch artenreicher als Farne.

Sie wachsen direkt am Boden und sind somit Bakterien und Pilzen ausgesetzt, gedeihen trotzdem munter vor sich hin – eigentlich müssten die ja vor Krankheiten nur so strotzen und bereits ausgestorben sein!

Moose haben aber bestimmte Inhaltsstoffe, die sie Immun gegen Pilz- und Bakterienbefall machen. Selbst getrocknetes Moos in Herbarien wird nie von Schädlingen angefallen.

Das Geheimnis: Phenolische Inhaltsstoffe – diese helfen dem Moos sich gegen Bakterien zu schützen.

Moos-Kräuterzimmer

So nutzten unsere Vorfahren Moos

Schon früh wurde die Heilkraft dieser Pflanze genutzt, da man früh in verschiedensten Kulturen erkannte, dass Moose selten von Schädlingen befallen werden: Wikinger legten ihren Fisch in nassem Torfmoos ein, so wurde dieser nicht schlecht, die Maoris stellten eine Paste her mit der sie Geschlechtskrankheiten behandelten, die Indianer benutzten Windeln aus Torfmoos, welche sehr gut absorbierten und durch die Inhaltstoffe eine Entzündung des Babypopos verhinderten. Selbst Tailettenpapier und Moosbinden wurden aus Torfmoosen aufgrund deren antiseptischen Eigenschaften und der starken Saugkraft.

Das Goldene Frauenhaarmoos (Polytrichum commune) ist das größte Moos Mitteleuropas (bsi zu 30 cm hoch) wurde als Absud im Mittelalter für Haarwachstum verwendet. Im 18. Jahrhundert dann wurde daraus ein Ölextrakt auf die Haare aufgetragen um diese zu stärken. In China wird das Goldene Frauenhaarmoos verwendet um Fieber zu senken.

Schuhe wurden mit Moos gepolstert, Ritzen in Häusern und Booten gestopft und Matrazen und Kissen damit gefüllt. Kräuter und Gemüse wurde durch Moos feucht gehalten und Pfeilspitzen damit umwickelt.

Salben wurden hergestellt,  das Lebermoos Riccia fluitans für die Entwurmung und generell die harntreibende Wirkung der Laubmoose genutzt. Das Scharfe Kahlfruchtmoos (Porella arboris-vitae) und das nach Gurken riechende Dicknervige Haarblattmoos (Cirriphyllum crassinervium) wurden zum Würzen genutzt.

Bis zum ersten Weltkrieg benutzte man Wundkompressen gefüllt mit Torfmoos da diese 3x so schnell und bis zu 25-30 Mal mehr Flüssigkeit aufsaugen als wie Baumwolle. Außerdem wir eine Entzündung der Wunde durch die Inhaltsstoffe des Mooses verhindert.

Moos-Wald

Verwendung

Moose wurden bei Husten, Heiserkeit, Magenbeschwerden, Blasenentzündungen, Durchfall, Fieber, Blutungen, Rheuma und Hautbeschwerden verwendet.

Noch heute wird Toormoos medizinisch für Torfbäder und Torfpackungen verwendet. In der TCM (Traditionellen chinesischen Medizin) aus ca. 40 verschiedenen Moosarten bei Hals- und Orenentzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bronchitis, Fieber, Hautleiden und Erschäpfungszuständen eingesetzt.

Unsere Vorfahren wussten intuitiv wie man sich mit Moos behelfen kann und in der modernen Medizin ist man bei den Lebermoosarten (Kegelkopfmoos – conocephalum conicum) auf tumorhemmende Wrkung gestoßen. Bunnenlebermoos (Marchantia polymopha) wies bei verschiedenen Untersuchungen eine muskelentspannende Wirkung auf.

Endivienblättriges Beckenmoos (Pellia endiviifolia) und das Scharfe Kahlfruchtmoos (Porella arboris-vitae) werden wegen deren scharfen Inhaltsstoffen bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Der Wirkstoff Sacculatal in den beiden Moosen wirkt außerdem antibakteriell gegen das Bakterium Streptococcus mutans.

Kühlpolster
Moos in ein Tuch einwickeln und in Wasser tränken. Dann mit der grünen Seite auf die geschwollene Stelle binden.

Die bekannteste Moosart - Isländisches Moos (Cetraria islandica)

Isländisches Moos hat sich so sehr in unseren breiten herumgesprochen, dass man dieses sogar in Apotheken kaufen kann. Im wahrsten Sinne des Wortes ist es eigentlich kein Moos, sondern ein Flechtengewächs (Parmeliaceae).

Volksnamen: Isländische Flechte, Heideflechte, Fiebermoos, Lungenmoos, Strübli, Bergraupen, Blutlungenmoos
Es ist ein mehrjähriges Flechtengewächs, das nur bis zu 10cm groß werden kann.

Wo findet man Isländisches Moos? Wo wächst es?

Vorwiegend auf trockenem Boden, größere Mengen können im halbschatten im Gebirge gefunden werden

Kann man Isländisches Moos im Garten ansetzen/pflanzen?

Das Moos ist eine Lebensgemeinschaft zwischen Algen und Pilzen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dieses wachsen wird, wenn man es im Garten auspflanzt. Die Lebensbedingungen sind nur sehr selten ideal. Aber ihr könnt es ja mal ausprobieren – wieso nicht?

Wann sammelt man Isländisches Moos?

Die Pflanze ist bei uns gechützt und darf nicht gesammelt werden. Isländisch Moos ist in trockenen Nadelwäldern und Heiden zu finden – vor allem in Nord-Deutschland. Von April bis Oktober wird die Pflanze gesammelt.

Am besten ihr kauft euch Isländisch Moos in der Apotheke oder ihr könnt hier Hustensaft kaufen*,  Pastillen* oder Isländisch Moos Teekraut*.

Inhaltsstoffe

Lichenin, Isolichenin, Flechtsäuren, Lichesterin-, und Usninsäure, Centrarinin, Vitamine A, B, Jod, Spurenelemente

Wirkung

Schleimlösend, hustenlindernd und stärkend.

Konservierung & Verwendung

Nur hellgrüne Pflanzen werden gesammelt, getrocknet und in Säckchen aufbewahrt.

Flechtmoose sind Färberpflanzen – nachdem diese eingeweicht werden, Färben sie Wolle in ein kräftiges Orange.

Bei Husten, zu viel Beanspruchung der Stimmbänder und Heiserkeit wird oft Isländisches Moos als zum Beispiel Tee verschrieben. Die Wirkstoffe legen sich wie ein Balsam über die Schleimhaut von Nase, Hals und Rachen.

Tinktur und Tee werden verschrieben bei Abmagerung, Altersschwäche, Magenbeschwerden, Katarrhen, Asthma und Verdauungsproblemen.

Im Norden wird heutzutage noch aus Flechten ein Brei hergestellt. Getrocknete und gemahlene Flechten können als Mehlersatz zum Brot backen dienen!

In der Naturheilkunde verwendet man Flechten um Krebs zu behandeln. Die Usninsäure soll die hemmungslose Vermehrung von Krebszellen hemmen.

Extrakte aus Flechten können auch als natürliches Konservierungsmittel für Cremes und Lotionen verwendet werden und machen diese haltbarer. Einen leichten Grünton erhalten diese jedoch durch die Flechten

Interessantes

Flechten sind über den ganzen Globus verteilt von der Ausrottung bedroht aufgrund der heutzutage hohen Fluorverbindungen und dem hohen Schwefeldioxidanteil in der Luft. Isländisch Moos ist eine Flechtenart: Algen und Pilze leben in einer Symbiose. Algen können Photosynthese durchführen und liefern dem Pilz so Nährstoffe. Die Pilze hingegen versorgen die Algen mit Wasser und Nährsalzen.

Lustig: Laut alten Erzählungen soll man nachts um Flechten gehen damit man von Gicht und anderen Krankheiten geheilt wird.

Wirkung

Schon bei meiner Wildkräuterausbildung haben bei mir die Glocken geklingelt als unsere Kräuterpädagogin erklärte, dass Moose exzellente Fungizide sind! Moos soll nämlich bei allen Pilzerkrankungen helfen, also Nagelpilz, Fußpilz, Scheidenpilz (Oh Gott!), Kopfhautpilz, etc. wie man sieht siedeln sich die Gesellen überall am menschlichen Körper an.

Moose hemmen vor allem die Zellteilung bei Bakterien, Pilzen und Tieren.

90% aller Lebermoose haben Blattzellen mit Ansammlungen von Ölkörpern. Dort sind phenolische und terpenoide Verbindungen eingelagert. Diese sind für die antibiotische Wirkung vom Moos zuständig.

Sternmoos, Kräuterzimmer, Wald, Natur
Sternmoos

Spritzmittelersatz Moos - so werdet ihr die Schnecken auf eurem Gemüse auf natürliche Weise los!

Das Institut für Pflanzenkrankheiten in Bonn hat Pflanzen mit Pilzen infiziert und dann mit Extrakten von 20 verschiedenen Moosarten besprüht. Alle diese Moosarten hemmten die Pilzinfektionen und einige Tomatenarten waren danach sogar gegenüber der Pilzart immun!!

Moosansatz gegen Schädlinge und Schimmel

Außerdem mögen Schnecken kein Moos und meiden Pflanzen die damit besprüht werden – kleine Feinschmecker also. Einfach einen Teil Moos in 9 Teilen Wasser einen Tag lang einweichen, filtern und dann direkt die Blätter der Pflanzen damit besprühen. Wirkt antibakteriell und vorbeugend gegen Pilzbefall, stärkt die Pflanze  und schützt vor Schnecken. Ihr könnt diesen Ansatz auch überall dort einsetzen wo sich im Haushalt Schimmel gebildet hat!

Das wird im Sommer definitiv ausprobiert – adé Spritzmittel!

Beachte: Sobald es regnet wird der Schutzfilm weggespült, also besonders nach Regen spritzen. Falls ein alkoholischer Extrakt eingesetzt wird, ist zu beachten, dass UV-Licht diese Extrakte zersetzt – hier müsste man dann einen UV-Blocker einsetzen.

Weder Haftmittel, noch UV-Blocker für Moosextrakte wurden bis jetzt entwickelt und kommerziell eingesetzt. 

Besen-Gabelzahnmoos-Dicranum scoparium
Besen-Gabelzahnmoos (Dicranum scoparium) ist eine Laubmoosart, die Bakterienwachstum hemmt.

Raumluftentkeimer

Kennt ihr schon den neuesten Trend? Die futuristisch anmutenden Raumluftentkeimer, die man zurzeit in Elektrogeschäften kaufen kann. Die gibt’s in allen Formen und Größen, werden mit Strom betrieben, sind unheimlich teuer und sollen Bakterien und Keime in der Raumluft abtöten.

Und ja ihr wisst was jetzt kommt – Moos ist da eine Alternative, surprise! Die sind nämlich super Feinstaubkiller (ich glaub Indien hat davon noch nichts gehört). Moose haben ja keine Wurzeln und nehmen dadurch mit ihrer gesamten Oberfläche Nährstoffe auf.

Feuchtes Moos zieht Feinstaub an und bindet es elektrostatisch. Außerdem leben auf der Moosoberfläche Bakterien, die sich von Ruß oder Reifenabrieb ernähren. Mittlerweile werden vereinzelt Moosmatten auf Dächern oder Autobahnmittelstreifen damit bepflanzt. Die Pflanzen sind ja glücklicherweise auch noch pflegeleicht.

Ganz besonders in Japan wird dem Moos eine große Bedeutung zugeschrieben. Sogar in der japanischen Hymne wird das Grün besungen. Es gibt einige Innenarchitekten, die sich darauf spezialisiert haben, Mooswände oder Raumteiler für Innenwände zu konstruieren und in Zen-Gärten ist das Moos ein Muss.

Ganz populär ist das „Moss viewing“, da treffen sich Japaner mit Lupen in der Hand um miteinander Moos in der Natur zu inspizieren.

Aber warum nutzen das nicht mehr Menschen?

Eine Kommerzialisierung von Moosextrakt hat mehrere Problematiken:

1. Gibt es kaum Studien über die Langzeitwirkung vom Moos. Man müsste hier alle Stoffe auflisten, die für die pilzhemmenden Eigenschaften verantwortlich sind, aber leider wirken die Einzelsubstanzen nicht so gut wie das unerforschte Gemisch im Moos selbst.

2. Für eine kommerzielle Nutzung von Moos, müssten Unmengen davon der Natur entnommen werden oder Verfahren zur schnellen Vermehrung von Moos konzipiert werden.

Das heißt es könnte viel medizinisches Wissen durch die Erforschung von Moosen noch entstehen. Nur ca. 4% aller Moosarten sind auf deren Inhaltsstoffe untersucht.

Wichtig

Viele Moosarten sind bei uns geschützt und dürfen nicht gesammelt werden. Erkundigt euch am besten vorher bzw. sammelt in eurem Garten.

Ein kleiner Warnhinweis muss her!

Einige Moose können Allergien auslösen! Zum Beispiel die Lebermoose Frullania dilatata (kommen häufig an der Rinde von Bäumen vor) können Kontaktdermatitis durch die in ihnen enthaltenen Frullanolide auslösen. Auf Torfmoos-Blättchen können sich Pilze ansiedeln, die bei uns schwere Hautkrankheiten auslösen können. Deshalb keine Selbstversuche mit unsterielen Moos-Wundverbänden oder Moos-Binden/Windeln durchführen!

Für den umweltbewussten Gärtner aber, sind Moose die ideale Methode um auf Spritzmittel verzichten zu können und um nicht ständig Unkraut jäten zu müssen!

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2 Kommentare bei „Ohne Moos nix los“

  1. Vielen Dank für den interessanten Bericht. Würde gerne mehr erfahren. Gibt es ein Buch darüber? Liebe Grüße Gabi Minder

    1. Kraeuterzimmer sagt: Antworten

      Hallo Gabriele!
      Leider kenne ich bis auf die über deinem Kommentar genannten Quellen nur Moos-Bestimmungsbücher. Vielleicht meldet sich ja hier beim Kommentar jemand der/die mehr dazu weiß?
      LG

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