Jetzt ist er schon in voller Blüte – der liebe Waldmeister. Ich liebe den Geruch – man könnte sagen ich bin schon fast süchtig danach – jedes Jahr wenn ich diesen frisch ernte, rieche ich zig Mal an der Pflanze bis ich alle gepflückten Teile verarbeitet habe!
Inhaltsverzeichnis
Volksnamen
Gliederkraut, Herzensfreund, Halskräutlein, Herzkraut, Magerkraut, Waldmandl, Leberkraut, Maikraut
Kann ich den Waldmeister im Garten oder Balkon pflanzen?
Ich selbst habe eine Waldmeisterpflanze bei mir auf dem Balkon stehen und jedes Jahr im Frühjahr treibt diese freudig aus.
Du kannst die Pflanze gut mittels Stecklingen* (nicht blühende Pflanze) im Frühjahr (April / Mai) auf dem Balkon oder im Garten vermehren.
Blüte- und Sammelzeit
Der Waldmeister (Galium odoratum) ist eine Frühjahrspflanze, demnach findet man diese schon in April und Mai.

Wo finde ich den Waldmeister
Finden kann man das Kraut auf halbschattigen und schattigen Laub- und Mischwäldern wie Buchenwälder und auf stark entwässertem Boden der von vielen Pflanzen bewachsen ist. Waldmeister bevorzugt lockeren, humus- und mullreichen Lehmboden.
Zu finden ist der Waldmeister im Frühjahr relativ häufig in unserer Gegend wenn man genau hinschaut.
Waldmeister vor oder während der Blütezeit sammeln?
Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass der Cumarin-Duft intensiver wird, wenn man schon in der Blüte stehende Pflanzen verwendet. In der Literatur ist man sich jedoch hier nicht einig: Manche sagen, man solle diesen ja nicht in der Blüte pflücken*, andere wiederum sagen, dass es keinen Unterschied macht. Nach einer Internetrecherche überwiegt jedoch die Meinung, den Waldmeister vor der Blüte zu sammeln.
Die liebe Siegrid Hirsch empfiehlt in ihrem Buch „Die Kräuter in meinem Garten“*, wenn möglich, den Waldmeister ohne Blüten zu verwenden, sofern man ihn frisch verwenden möchte (also für Bowlen und Säfte). Trocknet* man den Waldmeister (zum Beispiel für Tee), kann man diesen auch blühend sammeln. Eine Erklärung für diese Vorgehensweise gibt Siegrid dafür jedoch nicht.
Dieses Mal habe ich den Waldmeister noch vor der Blüte erwischt – den pflücke ich wann immer ich ihm über den Weg laufe 😀
Waldmeister erkennen
Der Waldmeister gehört zu den Rötegewächsen (Rubiaceae), ist eine mehrjährige Gewürzstaude und kann zwischen 15 und 30 cm hoch werden.
Stängel
Aufrechter und unverzweigter Stängel mit Quirlen aus 6-9 grünen Blättchen. Darüber hinaus ist der Stängel 4-kantig und glatt.
Blüten
Die Blüten sind klein und ca. 4-6 mm breit. Die Blüten sitzen schirmartig ausgebreitet an der Stängelspitze. Der Waldmeister hat Scheindolden oberhalb des letzten Quirls.
Blätter
Die Blätter sind 2 bis 4 cm lang, zugespitzt, flach und am Rand rau. Die Blätter sitzen in Quirlen am Stängel mit meistens 6 bis 8 Stockwerken.

Verwechslungsgefahr
Eine Gefahr besteht in diesem Sinne nicht, jedoch ist die Chance für den / die ungeübten KräutersammlerIn hoch, dass man entweder das Wiesen-Labkraut oder das Wald-Labkraut erwischt. Ist mir am Anfang auch passiert. Leider duften die Labkräuter streng und man fragt sich dann weshalb die Leute alle so vom Waldmeister schwärmen.
Das Wiesen- und das Waldlabkraut haben verzweigte Stängel im Gegensatz zum Waldmeister. Beim Waldmeister sind meist nur die Dolden oberhalb des letzten Quirls verzweigt, während die Labkräuter in alle Richtungen ragen.
Darüber hinaus wachsen die oben genannten Labkräuter auch viel höher als der Waldmeister (bis zu 120 cm) und riechen beim Zerreiben streng. Der Stängel ist im Gegensatz zum Waldmeister rund und die Blütenstände sind viel lockerer angereiht als beim Waldmeister.
Eine Verwechslung mit dem Gewöhnlichen Kletten-Labkraut wäre auch möglich, aber das, wie der Name schon sagt, klebt durch die kleinen Borsten am Stängel überall an. Im Gegensatz zum Waldmeister kann es auch bis zu 200cm hoch werden (Waldmeister 15cm – 30cm)!
Ich empfehle dir daher am besten zumindest ein Mal bei einer Kräuterwanderung teilzunehmen und dir die Fundorte und Pflanze gut einzuprägen – so habe ich gestartet und hatte anfangs gleich ein paar mir bekannte Kräuter. Dann kannst du mit einem Kräuterbuch auf Entdeckungstour gehen – für den Anfang empfehle ich immer „Was blüht denn da?“. Oder du hast Blut geleckt und möchtest gleich eine ganze Kräuterausbildung starten.
Aufbewahrung
Auf einem schattigen Platz aufhängen und trocknen* lassen. Hier aufpassen, dass das Kraut komplett trocken ist, ansonsten färbt es sich schwarz, wenn man es zu schnell bereits in Gläser oder Papiertüten füllt.
Aromadicht verschlossen und getrocknet* kann Waldmeister lange aufbewahrt oder für Tee* verwendet werden.

Inhaltsstoffe
- Cumarin (toller Link zur Website der AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH zum Thema Cumarin)
- Fettes Öl
- Ätherisches Öl
- Gerbstoffe
- Bitterstoffe
- Vitamin C
- Asperulosid
- Anthraglykosid
Heilwirkung
Der Waldmeister wirkt anregend, herzstärkend, sehr harn –und schweißtreibend, keimtötend, beruhigend, schlaffördernd, blutreinigend, leberstärkend, verdauungsfördernd und krampflösend.
Waldmeistertee hilft der Reinigung der Leber, wird als Blutreinigungsmittel verwendet und hilft bei Gelbsucht und Steinleiden. Darüber hinaus soll der Tee schlaffördernd wirken und bei Herzschwäche, Herzklopfen, Harnbeschwerden und Unterleibsproblemen helfen.
Verwendung
Küche
In der Küche kann man den Waldmeister angewelkt für Limonaden, Wasser, Apfelsaft, Maibowle oder Milch verwendet werden. Auch schmeckt dieser gut in Süßspeisen wie Eis, Pudding, Sorbet und Kuchen.
Wein & Tee
Waldmeister in Wein angesetzt, wirkt stärker als ein Waldmeistertee. Der Tee soll bei Kopfschmerzen helfen, beruhigend wirken, die Leber anregen und den Magen stärken. Übertreibt man es mit der Menge, kann dies schnell zu stärkeren Kopfschmerzen führen. Daher nicht mehr als 2 Tassen pro Tag trinken.
Bowle
Bekannt, vor allem in Deutschland, ist die Maibowler bei welcher der Waldmeister eine Quintessenz darstellt:
- 20 Stängel Waldmeister vor der Blüte
- 50g Zucker
- 3 Flaschen Weißwein
- 1 Flasche Sekt
Den Waldmeister in die Mischung hineinhängen und darauf achten, dass die Stielenden herausschauen.
Ihr könnt euch auch vorher Waldmeistersirup zubereiten und diesen anstelle der frischen Pflanze verwenden oder ihr verwendet gleich den zubereiteten Waldmeisterwein – dann könnt ihr das ganze Jahr über die Bowle genießen.

Tinktur
3 -5 Stängel Waldmeister mit 100ml 70%igem oder 75%igem Alkohol übergießen und mehrere Wochen an einem warmen Ort stehen lassen.
Waldmeistersirup
Am allerliebsten bereite ich Waldmeistersirup zu, da man diesen vielfältig verwenden kann. Sei es für Bowle, Sorbets, Pudding und allerlei Süßspeisen oder einfach als Verdünnungssaft.
Das Rezept findet ihr weiter unten
Likör
20 Stängel Waldmeister mit Korn oder Obstbrand übergießen und ca. 3 Wochen stehen lassen. Am besten an einem warmen Ort. Danach abfiltern und mit Zucker je nach Belieben süßen. Danach an einem dunklen, kühlen Ort für mindestens 3 Monate stehen lassen.
Wundauflage
Zerquetschte Blätter kannst du als Wundauflage verwenden oder indem du einen starken Aufguss aus der getrockneten* Pflanze zubereitest.
Räuchern
Geräuchert wird das Kraut mitsamt den Blüten als Schutzräucherung für Räume, Balkon und Garten. Mischt man noch Beifuß und Alantblüten dazu, erhält man einen noch stärkeren Schutz.
Achtung!
Beim Anwelken entsteht durch das Cumarin der für den Waldmeister typisch leckere Geruch, jedoch musst du aufpassen: Zu viel Cumarin kann zu Kopfschmerzen und Benommenheit führen. Nimmst du Waldmeister über einen langen Zeitraum über ein, kann es sogar zu Leberschäden führen! (Deshalb steht in vielen Kräuterbüchern auch, dass der Waldmeister leicht giftig ist.)
Deshalb gilt die Devise: Weniger ist mehr! Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dass ihr nicht zu viel Cumarin erwischt, könnt ihr euch auch Waldmeister kaufen. Hier gibt es nämlich gesetzliche Vorlage über die erlaubte Höhe des Cumaringehalts. Jedoch dürft ihr auch diese Produkte nicht zu lange anwenden – laut Kräuterweisheiten sind es bei allen Pflanzen nicht mehr als 3 Wochen!

Waldmeister-Portrait

Der lateinische Name weist schon an den typischen Geruch des Waldmeisters hin. Cumarine sind hier „schuld“, diese entfalten sich erst nach dem anwelken, also am besten 3 Tage welken lassen und der Duft wird im ganzen Zimmer verströmt. Die Blütezeit reicht von April bis Mai und ist ein tolles Mottenbekämpfungsmittel!
Rezepte
Rezept für Waldmeistersirup
Zucker
Wasser
1 Bund Waldmeister
Wasser mit Zucker aufkochen und köcheln lassen, bis dass eine sirupartige Konsistenz entsteht, dann den Waldmeister in die etwas abgekühlte Mischung dazugeben. Am besten ca. 3 – 5 Tage bedeckt ziehen lassen und in sterilisierte Flaschen umfüllen.
Ihr könnt nach Belieben noch Zitronenscheiben oder Vanillemark dazugeben – ich meide dies eher, da es mir schon einmal passiert ist, dass der Zitronengeschmack den eigentlichen Geschmack der eingesetzten Pflanze übermannt.

Rezept für Waldmeisterzucker

1kg Zucker
1 kleiner Bund Waldmeister
Den Waldmeister 2-3 Tage anwelken lassen damit sich das Cumarin entfaltet. Danach die Blätter von den Stängeln zupfen und entweder im Mörser zerkleinern oder mit den Händen zermürben. In den Zucker untermischen und fertig!
Der Zucker ist ideal für Süßspeisen!

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